Wir waren zwölf

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vom 10.11.2012

So wie es war, war es gut

Christa Nippe hat ein Büchlein geschrieben über ihre Zeit als Kind, aber auch über die Familie. Eine Zeit vor, während und nach dem Krieg, voller Leid und Armut, voller Ängste und Hunger. Überleben war der Wegweiser. Die Autorin hat einen Band voller Erinnerungen verfasst.

Da waren die zwölf Kinder, die es galt auseinanderzuhalten, denn manche starben und bei einem ist so gar nicht klar, ob es tot geboren wurde oder direkt nach der Geburt starb. Doch man war sich sicher - es waren zwölf. So saß man in gemütlicher Runde bei Familienfeiern und irgendwer brachte die Fragestunde immer in Gang und irgendwer wusste auch immer etwas zu erzählen.

Da wurde von der Einschulung erzählt, mit hungrigem Magen. Von strafenden Lehrern, die einfach nicht verstehen konnten oder wollten, dass damals die Kinder viel helfen mussten und deshalb oft zu spät zur Schule kamen. Die Zeiten waren nicht wie heute. Dann wurde berichtet vom Trockenwohnen und dem Ungeziefer, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Auch der Tod hielt Einzug und schwere Zeiten brachen an. Doch bei alldem verlor man nie den Mut, hatte stets ein Lächeln auf den Lippen und nahm vieles mit Humor. Doch immer wenn es ein wenig bergauf ging, man frohen Mutes war, gab es wieder einen Dämpfer, eine neue Hürde, die es zu bewältigen galt. Die SS marschierte ein, Verhaftungen waren an der Tagesordnung, ebenso wie Verrat. Entweder hatte man Glück und kam davon oder man hatte Pech und wurde verschleppt.  Doch auch diese Zeit überlebte man. Jeder Job war recht und wenn es trotzdem nicht reichte, ging man betteln oder klauen oder traf gütige Menschen.

Christa Nippe weiß auf jede Frage der Kinder eine Antwort. So gestaltet sie diese Lebenserinnerungen lebendig und spannend und nicht zuletzt interessant. Man glaubt mittendrin zu sein. Die Autorin spiegelt das Leben einer Großfamilie wider mit allen Höhen und Tiefen. Dabei vergisst sie niemals, den Schattenseiten auch die lustigen folgen zu lassen. Ob nun die alten Zeiten die besseren waren oder nicht, man versuchte aus allem das Beste zu machen, das vermittelt die Autorin gekonnt und glaubhaft. Manchmal erstarrt man vor Schreck, dann lacht man hinter vorgehaltener Hand. Ihre Geschichten sind authentisch und die damalige Zeit beim Lesen allgegenwärtig. Eine Generationengeschichte, die tief berührt und zugleich froh macht. Auf den letzten Seiten befindet sich sogar ein Register, eine Zeittafel über das Berlin zwischen zwei Jahrhunderten.

Tanja Küsters
29.06.200


ISBN 978-1-84698-546-1

 

Leseprobe



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